Anlagestrategie: diesmal Glück gehabt

Der Januar ist dieses Jahr ein komplett verrückter Börsenmonat, und ich hatte mal wieder ein spezielles Erlebnis mit meiner Anlagestrategie. Aber der Reihe nach…

Ein allgemein bekanntes Geheimnis für die erfolgreiche Geldanlage ist es, sein Kapital je nach Anlagehorizont in unterschiedliche Anlageformen zu streuen. Der Hintergrund dabei: Je höher die Rendite einer Geldanlage, desto höher ist typischerweise auch das Risiko, wodurch sich der Anlagehorizont verlängert – also die Dauer, für die das Geld angelegt wird.

Das von mir immer wieder gern genannte Tagesgeld ist im Prinzip risikofrei, wenn man mit einem seriösen Institut mit voller Einlagensicherung arbeitet, ist täglich verfügbar, bietet aber eben mit um die 4% eine relativ niedrige Rendite. Daher eignet es sich bestens zur Anlage einer Liquiditätsreserve, aus der man sich für unvorhergesehene Ausgaben oder den geplanten Urlaub bedienen kann.

Festgeld ist ebenfalls praktisch risikofrei, wird aber für einen festen (mittellangen) Zeitraum von einigen Monaten bis einigen Jahren fest angelegt und bietet dadurch etwas höhere Zinsen zwischen 4% und 5%.

Höhere Renditen erzielt man mit Investmentfonds, deren Wert und damit die Rendite aber Schwankungen unterworfen sein kann. Daher kann es passieren, dass man nur eine unterdurchschnittliche Rendite realisiert, wenn man das investierte Kapital zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt, anstatt eine solche negative Schwankung einfach auszusitzen. Aus diesem Grund sollte man in Fonds und Aktien nur Kapital investieren, dass sicher für den geplanten Anlagezeitraum – und notfalls darüber hinaus – zur Verfügung steht.

Für einen mittelfristigen Anlagehorizont mit 3 bis 5 Jahren eigenen sich Rentenfonds, die eine vergleichsweise geringe Volatilität (Schwankungsbreite) aufweisen und im Durchschnitt zwischen 6% und 9% pro Jahr erzielen.

So genannte Mischfonds, die sowohl in Rentenpapiere als auch in Aktien investieren, sind schon risikoreicher, können dafür langfristig aber Renditen um 10% bis 12% p.a. erreichen. Der Anlagezeitraum sollte allerdings zwischen 5 und 10 Jahren liegen, denn hier sind schonmal Durststrecken an der Börse zu verkraften.

Top-Aktienfonds erreichen Renditen von 15% und deutlich mehr pro Jahr – wenn man den richtigen Zeitraum erwischt. Aus diesem Grund sollte das in Aktienfonds investierte Kapital für einen Anlagehorizont von 10 Jahren und mehr zur Verfügung stehen – über diesen Zeitraum ist eine solche Durchschnittsrendite in der Vergangenheit möglich gewesen, sogar wenn kurz vor einem Crash investiert wurde.

Aktien-Einzeltitel besitzen ein sehr hohes Risiko, und eignen sich für Kleinanleger kaum, weil mit wenig Kapital kaum eine Risikostreuung erreicht werden kann. Mit nur 5.000 Euro Kapital ist es eben schwierig, in unterschiedliche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zu investieren. Wenn aber die zwei oder drei Aktien im Depot plötzlich schwächeln, kann unter Umständen das gesamte Kapital verloren gehen. Daher kommt die Investition in einzelne Aktien im Grunde erst in Frage, wenn ausreichend Kapital in sichereren Anlageformen gestreut ist.

So gut informiert war ich vor 10 Jahren allerdings nicht, als die erste Aktienhysterie in Deutschland losging und ich wie alle Welt in die „Volksaktie“ der Telekom investierte, zusammen mit einigen anderen „todsicheren“ Werten wie „das Werk“. Das Problem: Ich hatte keine Liquiditätsreserve und auch kein Kapital in weniger volatilen Anlageformen verfügbar. Als ich dann plötzlich Geld brauchte, musste ich wohl oder übel meine paar Aktien verkaufen und konnte eine Erholung der Kurse leider nicht abwarten. Ergebnis: Einige tausend Euro realisierter Verlust.

Inzwischen klüger geworden, verteile ich meine Sparraten auf Tagesgeld für die Reserve, auf die ich immer zugreifen kann und unterschiedlich risikoreiche Fonds, für die ich einen Anlagehorizont von mindestens 5 Jahren geplant hatte. Aber auch diesmal musste ich vorzeitig an das in Fonds investierte Geld. Eigentlich wollte ich trotzdem noch mindestens den vermeintlich „traditionell starken Januar“ abwarten und noch einige Gewinne mitnehmen. Als dann aber die ersten Anzeichen durch die Presse gingen, dass die Zeit der rasanten Kurssteigerungen fürs erste vorbei sein würde, habe ich Anfang Januar sicherheitshalber verkauft. Ergebnis: diesmal Glück gehabt. Hätte ich wie geplant die Fonds behalten, hätte ich durch den Januar-Crash wieder eine Menge Geld verloren. Wer weiß, bis wann die Kurse sich wieder auf den Stand vom letzten Oktober erholen.

Fazit: Auch gute Anlagestrategien muss man manchmal hinter sich lassen…


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