Kauf auf Raten – ein schlechter Plan

Da steht im Elektronikfachmarkt dieser wunderbare HD-Flatscreen oder DVD-Recorder, nach dem man schon so lange giert, und es lockt das Preisschild mit „nur 19 Euro monatlich“ – das klingt natürlich erstmal günstig. Aber diese Rate ist 36 Monate, also 3 Jahre lang, zu zahlen. Um festzustellen, was die wahren Kosten dieses anscheinend günstigen Angebotes sind, ist keine große Rechenkunst nötig: In den 36 Monaten kommen insgesamt 689,- Euro zusammen. Eine Preisrecherche im Internet liefert die Information, dass der DVD-Recorder normalerweise zum Preis von 389,- Euro zu kaufen ist. Macht exakt 300 Euro Zinsen in den 3 Jahren, demnach ein effektiver Jahreszins von über 25%!

Noch interessanter wird die Rechnung anders herum: Wenn ich den Player jetzt noch nicht kaufe, sondern stattdessen 19 Euro monatlich anlege, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto mit 4% Zinsen, hätte ich die 389 Euro nach 20 Monaten zusammen. Mein nächster Gedanke: Wenn ich 19 Euro im Monat zurück legen kann, dann vielleicht auch 29 – und schon reicht ein Jahr, um das nötige Geld zu sparen. Bis dahin gibt es zum gleichen Preis bestimmt sogar ein besseres Modell…

Allerdings klingt es heutzutage ziemlich spießig, auf etwas zu sparen, anstatt sich „seine Wünsche sofort zu erfüllen“, wozu wir ständig von der Werbung ermuntert werden.

Während meines Studiums, als ich nicht viel Geld zur Verfügung hatte, habe ich auch einen Videorecorder „geleast“, weil ich dachte, den brauche ich, ohne groß darüber nachzudenken. Die Unterlagen über die genauen Raten konnte ich jetzt leider nicht mehr finden, aber ich erinnere mich, dass ich jahrelang dafür gezahlt habe, leider auch dann noch, als ich den Recorder schon gar nicht mehr besaß, nachdem mein dann Ex-Freund ausgezogen war und den Recorder mitgenommen hatte. Eine unschöne Erfahrung, die ich mir wirklich hätte sparen können.

Diesen Ratschlag wird man auch von den meisten Finanzexperten bekommen: Konsumschulden, also Schulden für Dinge, die nicht an sich einen Wert darstellen sondern Ihren Wert durch Benutzung oder Verbrauch verlieren, können der erste Schritt in die Schuldenfalle sein. Teures Technikspielzeug oder andere Wünsche durch Ratenkauf oder Leasing zu finanzieren, befriedigt zwar das spontane Bedürfnis, etwas JETZT zu besitzen, aber letztlich zu einem hohen Preis: Am Ende kann man sich auf die Art nicht mehr leisten, sondern weniger, denn zusammen mit den Zinsen kommt jeder einzelne Kauf ja wesentlich teurer als bei Barzahlung. Dabei suggeriert die Werbung das glatte Gegenteil.

Wer monatlich Geld als Notgroschen zurücklegt, dessen Wahrnehmung wird sich allerdings schnell ändern. Es ist einfach ein gutes Gefühl, für unvorhergesehene Ausgaben gerüstet zu sein oder sich dann doch den neuen DVD-Rekorder aus dem Ersparten zu gönnen. Es könnte aber passieren, dass man ihn dann gar nicht mehr so dringend will, weil man plötzlich Spaß am Geld behalten statt am Geld ausgeben gefunden hat…

Mein Rat: Fang JETZT an, Geld zurück zu legen. Wenn für den Ratenkauf Geld da gewesen wäre, ist auch Geld zum Sparen vorhanden. Ich habe es mir zu Regel gemacht, grundsätzlich nur noch etwas zu kaufen, wenn ich das Geld dafür habe.


Über diese Seite