Tipps für mündige Verbraucher

Eine kurze Liste von grundlegenden Tipps und Infos – jeder, der Geschäfte macht, sollte all das schon längst wissen:

  1. Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meist auch. 
    Kredite ohne Schufa, Risikofreie Investitionen mit Renditen über 10%, Nebenjobs mit Top-Verdienst fast ohne Aufwand, Gratisurlaube – In den allermeisten Fällen handelt es sich bei solchen vermeintlich „unglaublich guten Angeboten“ um pure Abzocke. Hier hilft der gesunde Menschenverstand. Merke: Gier frisst Hirn.
  2. Restschuldversicherungen sind in den meisten Fällen völlig unnötig.
    Bei Abschluss von Kreditverträgen bestehen viele Banken auf eine Restschuldversicherung, die der Bank die Zahlung der fälligen Raten auch bei Arbeitslosigkeit oder Tod des Kreditnehmers garantieren sollen. In den meisten Fällen ist eine solche Restschuldversicherung jedoch überflüssig und treibt die effektiven Zinsen des Kredits unnötig in die Höhe, teilweise bis über 30% p.a. Auch wenn eine Bank diesen Eindruck erweckt: Eine Restschuldversicherung darf nicht zur Voraussetzung für einen Kredit gemacht werden. Sinnvoll ist eine solche Versicherung nur bei hohen Kreditsummen und nur dann, wenn keine anderen Sicherheiten wie Lebensversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung vorhanden sind. Bei einem Kfz-Kredit ist das Auto Sicherheit genug.
  3. Es gibt kein generelles 14-tägiges Rückgaberecht.
    Auch wenn viele Leute davon ausgehen, dass sie quasi „auf Probe“ einkaufen können: Das universelle 14-tägige Rückgaberecht ist nur Legende, in Wahrheit gelten je nach Art des Einkaufs unterschiedliche Regelungen. Wer sich nach einem Einkauf im Geschäft anders besinnt und die Ware zurück geben möchte, obwohl sie einwandfrei ist, kann nur auf die Kulanz des Verkäufers hoffen. Bei Käufen über das Internet oder Telefon gibt es dagegen gesetzliche Regelungen zum Widerrufs- und Rückgaberecht. Trotzdem erst nachdenken, dann kaufen.
  4. Persönliche Informationen sollte man nicht leichtfertig verteilen.
    Wir haben hoffentlich inzwischen gelernt, wie wir sicher mit Karte bezahlen, beispielsweise Kreditkartendaten und Kontoinformationen nicht in jedes x-beliebige Webformular einzutippen, Kreditkarten nicht einfach aus der Hand zu geben und schon gar nicht PIN-Nummern irgendwo zu notieren. Was wir als nächstes lernen müssen, ist mit persönlichen Informationen im Web etwas diskreter umzugehen: Das Googeln potentieller Mitarbeiter oder Sexualpartner ist eine Selbstverständlichkeit – da sollte es genauso eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder darauf achtet, auch online keinen falschen oder negativen Eindruck zu erwecken. Mit Hilfe spezialisierter Personenensuchmaschinen kann inzwischen Jedermann regelrechte Personenprofile mit privaten Informationen aus unterschiedlichsten Quellen einsehen und für eigene – auch kriminelle – Zwecke nutzen. 
  5. „Lohnsteuer-Vorfinanzierung“ ist eine Zinsfalle
     Wer dringend Geld benötigt, kommt vielleicht in die Versuchung, eine errechnete Steuererstattung vorab „auszahlen“ zu lassen. Bei diesen Angeboten handelt es sich allerdings schlicht um extrem teure Kredite. Da ist es immer billiger, das Konto zu überziehen oder einen Verbraucherkredit aufzunehmen. 
  6. Mietkauf ist selten ein gutes Geschäft.
    Darüber habe ich schon in einem anderen Artikel ausführlich geschrieben: Kauf auf Raten ist ein schlechter Plan, wenn es sich um Konsumgüter handelt – denn die sind meistens nichts mehr wert, bevor der Kredit überhaupt bezahlt ist.
  7. Rabatte werden immer vorher auf den Preis aufgeschlagen.
    Das lernt jeder  Student der Betriebswirtschaft im ersten Semester: Der Endpreis wird aufgrund der Kosten, gewünschter Marge und einzuräumender Rabatte kalkuliert. „Rabatt, Rabatt, das lass Dir sagen, wird vorher immer draufgeschlagen.“ Wenn der Möbelhändler oder Eletrofachmarkt also 66% Rabatt einräumt, macht er damit trotzdem ein Geschäft. Und der dick rot durchgestrichene Preis ist in solchen Fällen meist ein Mondpreis, so dass der Endpreis kaum geringer ist als noch wenige Tage vor Beginn der Rabattaktion.
  8. (Größere) Einkäufe in Stressituationen vermeiden.
    Ältere Menschen, Menschen in Krisensituationen (wie Schulden, Todesfälle in der Familie), unerfahrene Konsumenten wie Schüler und Studenten sind besonders gefährdet: Größere Kaufentscheidungen sollten nie unter Druck getroffen werden. Angeblich „einmalige Gelegenheiten“, zum Beispiel der letzte Flatscreen aus dem Werbeangebot, dienen nur dazu, künstlichen Druck zu erzeugen und zum Kauf ohne vorherigen Vergleich mit Wettbewerbsangeboten zu verführen. In der Finanzbranche dient momentan die Abgeltungssteuer als Aufhänger, die Kunden zu bewegen, „noch schnell zu investieren, um dem Staat kein Geld zu schenken“. Beim Blick auf die Steuervorteile sollte jedoch die Rendite einer Anlage nicht außer Acht bleiben.
  9. Nur in Produkte investieren, die man versteht.
    Die Finanzbranche bringt ständig neue Produkte auf den Markt, die immer komplexer werden. Rolling-Discount-Zertifikate, Inhaberschuldverschreibungen, Hedgefonds: Wer die genaue Funktionsweise eines Produktes nicht kennt, kann auch das Risiko nicht einschätzen. Manche Produkte sind genau daraufhin entwickelt, hinter komplizierten Konstruktionen Kosten und Risiko zu verbergen. Also entweder bei einem vertrauenswürdigen Berater so lange nachfragen, bis Funktionsweise, Risiko und Kosten klar sind, oder die Finger davon lassen.
  10. Erst lesen, dann unterschreiben.
    Ja, auch das Kleingedruckte! Kürzlich ist  mir ein Verkäufer begegnet, der auch nach der Vermittlung diverser Leasingverträge immer noch nicht wusste, das diese sich automatisch verlängern, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden. Aber dem Verkäufer kann es ja auch egal sein. Hauptsache sein Kunde hat den Vertrag gelesen! (Das ist ein ganz normaler Bestandteil eines typischen Leasingvertrages – nur wissen muss man es…). Mindestens die Bedingungen von Versicherungen, z.B. Berufsunfähigkeitsversicherungen und großen Kredit- und Kaufverträgen sollten wirklich nicht ungelesen unterschrieben werden, da genau in diesen Bedingungen die Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern und damit auch Preis- und Leistungsunterschiede zu finden sind.

Diese Liste ist in keiner Weise vollständig – über (werbefreie) Ergänzungen in den Kommentaren würde ich mich freuen.


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