Was es wirklich kostet, Schulden zu haben

Geld zu leihen, kostet Zinsen. Das ist jedem klar, und an sich noch kein Problem. Allerdings reicht die Spanne von 5% bis 30% Zinsen pro Jahr, und da fängt es an, interessant zu werden.

Der Kredit, den fast jeder von uns nutzt, ist der Dispositionskredit – das „überzogene“ Konto. Die Konditionen gehen von um die 8% bis 15%. Das klingt nicht nach einem wirklich wesentlichen Unterschied, oder? Aber bei nur 2000 Euro „Miesen“, sind das beim günstigsten Anbieter 160 Euro Zinsen und beim teuersten 300 Euro und mehr. Ein ziemlicher Unterschied für die gleiche Leistung. Und eigentlich ganz schön viel Geld. Darüber habe ich mir früher nie Gedanken gemacht, es „war halt einfach so“, und schien nicht zu ändern. In Wahrheit ist es natürlich doch zu ändern: Ich habe meinen Dispo zurückgezahlt und mein aktuelles Konto besitzt absichtlich keinen Dispo mehr – so muss ich jeden Monat genau haushalten und gebe einfach nicht mehr Geld aus, als ich einnehme. Noch deutlich teurer wird es übrigens, wenn man die so genannte „geduldete Überziehung“ über das Dispo-Limit hinaus in Anspruch nimmt: da können es leicht auch mal 19% Zinsen sein.

Interessant fand ich übrigens immer, dass meine frühere Bank Lastschriften mangels Deckung nicht eingelöst hat – zum Beispiel die Telefonrechnung – aber die Quartalsabrechnung für das Konto mit Gebühren und Zinsen ging trotzdem immer noch runter. Wofür mir dann weitere Zinsen berechnet wurden.

Auch der typische Ratenkauf kann so eine teure Angelegenheit sein. Der vermeintlich „kleine Aufpreis“ für die Finanzierung eines Produkts, das man sich eigentlich nicht leisten kann, sorgt dafür, dass man sich am Ende noch weniger leisten kann, als bei Barzahlung – obwohl es sich genau umgekehrt anfühlt. Je nach Anbieter kommen hier inklusive Gebühren, Versicherungen, etc. auch mal 30% Zinsen pro Jahr zusammen. Konkret bedeutet das, dass das finanzierte Objekt nach drei Jahren fast zwei mal bezahlt ist!

Rechnungen nicht pünktlich zu zahlen, kann ebenfalls eine ganz schön teure Angelegenheit sein. Zum Beispiel meine Umsatzsteuer-Voranmeldung: Die ist einmal im Quartal zu einem festen Termin fällig. Wenn ich die einmal unpünktlich abgebe, drückt das Finanzamt ein Auge zu. Beim zweiten Mal zahle ich schon 10 Euro Verspätungszuschlag. Danach wird es richtig teuer.

Und ich erinnere mich, dass ich einmal vor ewigen Jahren ein Kleid bei einem Versender bestellt habe, und dann kam finanziell gesehen irgendwas dazwischen, so dass ich die Rechnung nicht zahlen konnte. Das Kleid hätte nur 70 Mark gekostet, aber ich habe so lange gewartet, bis die Angelegenheit bei einem Inkasso-Büro war, das natürlich Gebühren und Zinsen und alles Mögliche berechnet hat, so dass am Ende 150 Mark fällig waren. Blöd, oder? Denn natürlich musste ich irgendwann die komplette Summe zahlen – mehr als das doppelte dessen, was das Kleid ursprünglich kosten sollte. Inkassobüros kaufen den Versandunternehmen solche Forderungen ab, um sie selbst einzutreiben, weil die Gebühren ein extrem lohnendes Geschäft sind. Und dafür ist mir mein Geld inzwischen zu schade. Ich sorge jetzt dafür, dass ich genug Geld habe, um eintreffende Rechnungen pünktlich zu bezahlen und mir Verspätungszuschläge zu ersparen. Anders ausgedrückt: Ich kaufe nur Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie auch bezahlen kann.

Bei stern.de habe ich kürzlich eine (nicht mehr ganz neue) Story über ein Schuldnerehepaar gelesen, dass im Laufe der Jahre immer tiefer in den Schuldensumpf rutschte – und einen großen Anteil daran machten neben den Zinsen vor allem auch die Nebenkosten und Gebühren aus:

„Pleite zu sein ist teuer. Jedenfalls wenn man mit den Gläubigern kein Stillhalten verabreden kann. Ein profanes Beispiel: die Rechnung eines Rechtsanwalts, der eine Forderung seines Mandanten gegen Rattmanns eingetrieben hatte. Eine Rechnung über 50,75 Euro. Rattmanns bezahlten nicht. Gebühr für den Mahnbescheid: 29,40 Euro. Gerichtskosten: 12,78 Euro. Gebühr für Vollstreckungsbescheid: 14,72 Euro. Kosten für den Antrag auf Zwangsvollstreckung: 11,76 Euro. Gebühr für eine eidesstattliche Versicherung der Rattmanns, dass bei ihnen nichts zu holen ist: 11,76 Euro. Dafür anfallende Gerichtskosten: 17,90 Euro. Kosten für Gerichtsvollzieher: 22,85 Euro. In kaum drei Monaten hatte sich die Forderung von 50,75 Euro mehr als verdreifacht: auf 171,92 Euro. Nach sechs weiteren Versuchen des Anwalts, das Geld inklusive weiterer Gebühren einzutreiben, stehen Rattmanns mit 597,34 Euro in der Kreide. Eine Steigerung um 1077 Prozent.
Aufs Ganze gerechnet, ist die Sache noch eindrucksvoller. Von den 64 145,53 Euro, die als Schulden zu Buche stehen, sind 7734,84 Euro aufgelaufene Zinsen. Stattliche 11 280,16 Euro aber betragen die Kosten für Mahn- und Vollstreckungsbescheide, für Anwälte, Inkassodienste, Gerichte und Gerichtsvollzieher.“

Vielleicht öffnet das dem ein oder anderen die Augen: Mehr Geld auszugeben als man besitzt ist unglaublich teuer! Und dabei habe ich kein Wort verloren über den emotionalen Stress den es bedeutet, wenn Du nicht weißt, wie Du die Rechnungen, die täglich im Briefkasten landen, je bezahlen sollst. Wenn es so weit ist, dass Rechnungen ungeöffnet in der Ablage landen, ist das ein Zeichen für eine Überschuldungssituation, dass durchaus ernst genommen werden sollte. Denn die Sache schleifen zu lassen macht es nur noch schlimmer. Schuldnerberatungsstellen bieten kostenlos Hilfe in solchen Situationen an.


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